Reviews

RETROSPECTIVES reviewed by AFRICAN PAPER
Susanne Hafenschers Projekt MaCu wurde vor einigen Monaten bereits im Zusammenhang ihrer Kollaboration mit Federico Barabino vorgestellt. Unter dem Titel „Retrospectives“ fasst die österreichische Gitarristin und Pianistin, die sich irgendwann der Bearbeitung von Field Recordings und der Ausgestaltung hypnotischer Gitarrendrones verschrieb, ihre neuesten Arbeiten zusammen. Der Begriff des Retrospektiven referiert hier jedoch nur teilweise auf das Alter der Aufnahmen, denn lediglich drei überarbeitete Sampler-Beiträge wurden in die Auswahl integriert – insgesamt ist es mehr das Zurückblicken und Erinnern als mentaler und emotionaler Vorgang, der in den sieben Abschnitten in Töne gefasst wird.

Distanz und ein in Nebel gehülltes Sichtfeld – das sind Begriffe und Bilder, die man vielleicht am ehesten mit dem Erinnern halb vergessener Ereignisse und dem Rückblick in eine ferne Vergangenheit assoziiert. Sanfter sonorer Nebel hüllt auch die entfernten Trommelwirbel ein, die den Auftakt des ersten Abschnittes der CDr bilden. Während das Stück noch eher harmonisch seinen eigenen Gezeiten ihren Lauf lässt, erscheinen helle Figuren für kurze Augenblicke auf einer in Dunkel getauchten Bühne. Vielleicht kam mir die visuelle Assoziation dank eines anderen Österreichers in den Sinn, nämlich Thomas Bernhard, der ein vergleichbares Ideal von Literatur und Theater einforderte: Alles muss radikal dunkel sein, damit die vordergründig schematisierten Figuren und Ereignisse um so präziser in Augenschein geraten – im Idealfall helle, akzentuierte „Köpfe in der Finsternis“. Mysteriöse Stimmsamples und gehauchtes Murmeln dringen in den Raum, und irgendwann hat man das (unsichere) Gefühl, dass sich alles verdichtet. Angenehm ist, dass jeder einzelne Abschnitt seine eigenen Spannungskurven entfaltet und seine spezifischen Klangfarben entwirft, auch wenn sie größtenteils dem dunklen Bereich entstammen. Dass dabei mit Effekten eher sparsam umgegangen wird, ist erfreulich, auch gelegentliche Orgelklänge, oftmals ein Garant für feierliche Schwere, werden subtil eingesetzt, aquatische Samples akzentuieren markante Stellen.

Im Verlauf entfalten sich leicht metallisch eingefärbte Klangflächen, durchzogen mit kurzen, spontanen Brüchen. Wohlklingende Momente wechseln sich ab mit dissonanten Passagen, auch Augenblicke harscher Verzerrung ereignen sich von Zeit zu Zeit. Tremolierende Effekte kontrastieren mit Bassdröhnen, das in Abschnitt 4 fast Metalcharakter annimmt – es vermag den ganzen Raum auszufüllen und wirkt dennoch niemals „fett“. Spoken Words und weitere versteckte Stimmfragmente unbestimmten Ursprungs werden ebenso zitathaft einmontiert wie laszives Flüstern und stoisches, zombifiziertes Drumming.

Natürlich gebraucht man abgedroschene Vokabeln wie „hypnotisch“ heutzutage nur noch mit äußerster Vorsicht, aber „Retrospectives“ ist eines der wenige aktuellen Ambientalben, bei denen sich die Verlegenheit in Grenzen halten sollte. Durch Mittel reiner Andeutung vermag die Künstlerin die Hörer in gespannter Erwartung zu fesseln, durch Geräusche, die Enormes andeuten, das irgendwo am Ende des Sichtfeldes in Nebel gehüllt vor sich geht.

AFRICAN PAPER

Waves

Artikel veröffentlicht am 02.09.2011 | 85 mal gelesen
Schwierig schwierig schwierig… Es fällt mir sehr schwer, das vorliegende Tondokument mit dem vielversprechenden Titel “Waves” angemessen zu beleuchten – denn ich stehe der österreichisch-argentinischen Split-Veröffentlichung sehr zwiespältig gegenüber.

Hinter dem Namen MaCu verbirgt sich eine junge Frau namens Susanne Hafenscher, die unter ihrem Pseudonym auch kulturterroristisch aktiv ist (interessanterweise ist dies nicht der einzige Berührungspunkt zwischen dem veröffentlichenden Label Inner Cinema und dem genannten Online-Magazin). Ihr südamerikanischer Kollege ist – soweit ich das beurteilen kann – ohne Künstlernamen unterwegs. So unterschiedlich Kontinent, Geschlecht und Namenslänge auch sein mögen – eine Gemeinsamkeit hat die beiden Musiker zusammengeführt: Ihre Vorliebe für Geräusche. Irgendwie schade, dass ich die Ä-Strichelchen nicht in Klammern setzen kann…

…denn oftmals ist es schwierig, auf “Waves” zwischen Geräuschen und Gerausche zu unterscheiden. Das soll jetzt aber (noch) keine Kritik, sondern in erster Linie eine ungefähre Beschreibung dessen sein, was es zu hören gibt. Man könnte auch mit Begriffen wie Ambient, Drone und Noise arbeiten. Tatsächlich verdient nur ein geringer Bruchteil der vier “Waves” das Attribut ‘tonal’ im weitesten Sinne. Der Rest ist Dröhnen, Rauschen, Fiepen, auch ein paar verfremdete Stimmsamples (die aber immer noch als weiblich erkennbar sind, also vermutlich von MaCu stammen) haben sich hier und da in die Berge aus Geräusch verirrt.

Wer nun eine Vorliebe für derlei Spielereien hat, wird an “Waves” aller Wahrscheinlichkeit nach Gefallen finden. Ich selbst – dem (Dark) Ambient halbwegs zugeneigt, Noise-Collagen gegenüber zumindest offen – erkenne ohne jede Einschränkung die Mühe an, die in den gut 36 Minuten steckt; allein mitreißen können mich die Stücke nicht.

Anerkennung heißt, dass ich es sehr wohl zu schätzen weiß, wie viel Hirnschmalz in die Klangcollagen, in die Stereobilder, in die Effekte und Überlagerungen geflossen ist. Das Spektrum an verwendeten Klängen hat enorm viel zu bieten, von tiefem Wummern über spitze, an den Rand des Hörbaren gehende Obertöne, bis hin zu dem typischen Geräusch, das durch Finger an Klinken- oder Cinch-Steckern entsteht.

Es ist also nicht so, dass ich MaCu und Federico Barabino in irgendeiner Weise absprechen möchte, sich etwas bei “Waves” gedacht zu haben – mit Drone, Noise oder Ambient als Selbstzweck habe ich jedoch so meine Schwierigkeiten. Was mir nämlich fehlt, ist die emotionale Dimension. Die kann “Waves” nicht ansatzweise ausloten, weshalb ich spätestens nach “Wave 1” das Interesse verloren habe.

Atonale, durchdachte Klangkunst, die sich über jede Konvention hinwegsetzt und das Geräusch als ultimatives Ziel künstlerischen Schaffens zelebriert, ist “Waves” also ohne jeden Zweifel. Eindrucksarm und kalt aber auch. Ich bevorzuge meine Musik jedoch emotional, weshalb ich das auf 50 Exemplare limitierte Tape (das ist ja fast wie im Black Metal-Untergrund – der Rausch-Faktor ist sogar ähnlich hoch…) nur sehr eingeschränkt empfehlen möchte.

nightflightIntensiv wie unvergesslich!

VÖ: 2011 Label: TwistedTreeLine

Genre: Ambient, Drone Format: Mini-CD-R

Lauschige Sommernacht, in den pulsierenden Städten erliegt die Hektik, Nachtfalter geistern umher, Schlaflosigkeit, egal aus welchen Gründen, fördert Alltagserlebnisse hervor, dieses alles suggestiert “Nightflight” von MaCu, ein mitnehmendes Ausschussprodukt der Österreicherin, das obwohl seiner Kürze, auch nach dem x-ten Hördurchlauf noch in seinen Bann zieht – Wahnsinn!

Innerhalb der äußerst kurzweiligen Postkarten Edition der englischen Manufaktur TwistedTreeLine, offenbarte sich “Nightflight” von MaCu, welches insgesamt in einer Auflage von 100 Stück erhältlich ist, wovon 20 Exemplare handsigniert in Umlauf kommen.

Einsamkeit, Unverstandenheit, Isolation und Traurigkeit vermischen sich mit einem Hauch von Freiheit, die gemeinsam in eine Art Trancezustand mit meditativen Auswüchsen münden, so ungefähr dürfte die Beschreibung des Kopfkinos aussehen, das “Nightflight” von MaCu auslöst. Wem die emotionalen Momente im Leben liegen, sollte sich diese Arbeit auf keinen Fall entgehen lassen!

Auch wenn es sich bei “Nightflight” um ein Ausschussprodukt handelt, das auf keinem anderen Release Platz fand, erwartet interessierte Konsumenten der typisch intensive MaCu Sound, der die Österreicherin auszeichnet. Vor allem die verarbeiteten Lautäußerungen, die einmal mehr minimal an Jarboe gemahnen, verleihen dieser äußerst kurzweiligen Publikation die besondere Note, wodurch sich MaCu massiv von anderen Protagonisten dieser riesigen Szenerie absetzt bzw. unterscheidet. Einrahmung erhalten die Wispers durch betörende Gitarrendrones, welche tief wie vielfältig aus den Boxen dringen und ab dem ersten Moment vereinnahmen wie mitnehmen – Wahnsinn! Insgesamt eine sehr mitreißende Publikation, womit MaCu einmal mehr ihre Klasse unter Beweis stellt, die alleine aufgrund ihre Dichte fasziniert. Nur die kurze Spielzeit stellt hier ein Manko dar, über das sich bei dem Hörerlebnis gerne hinwegsehen lässt.

Fazit:

Individuen, die nach unvergesslichem Kopfkino lechzen, müssen “Nightflight” von MaCu ihr Eigen nennen – meine absolute Empfehlung!

many thanks to KULTUR[TERRORISMUS] for this amazing review !!

TEXTURA

Lest anyone naively think that one ambient release is the same as another, MaCu’s Vol 4 is a different creature altogether from Shaula’s, even if the sixth album by MaCu (Austria-based Susanne Hafenscher) was created using some of the same kind of gear—guitar, vocals, field recordings, and sound processing, in this instance. Hafenscher collects six moodscapes under the two-part “Fall” title, with the album’s dark ambient material oozing portent from its every pore. Hers is a plunge into the underworld that stays true to its venomous self for forty-three wholly immersive minutes. The rain-soaked opener cultivates a doom-laden mood via ominous rumblings and eerie atmospherics as hushed voices and machine rhythms emerge from the murk. Cavernous echo blankets her soft wordless voice during the second track, and the scratchy noises that punctuate the gloom call to mind a diseased creature deep within a darkened pit relentlessly picking at scabs covering its body. The level of violence escalates in the third piece as blasts appear alongside the low-pitched shudder of her voice, while in the fourth guitar elements are heard drifting through a thick cloud of fog. The final track brings us full circle as we find ourselves once again running for cover from a thunderstorm whose intensity is bolstered by a grainy choral wail that drones ghoulishly throughout. Despite the aggressive tone of that closing piece, the album, while suffused with dread, ends up being a more soothing than nightmarish listen, perhaps because Hafenscher, to her credit, chooses to keep the material at an even keel rather than have it alternate between immense dynamic divides.

February 2011

Norman Records Review for MaCu Vol. 4

Rating: 4
…according to our Brian on 16 December 2010.

Here a lady named Suzanne constructs a collection of six dark ambient works under the banner ‘Fall’. The first segment features some sweet rainfall amongst the more ominous burgeoning sound sculpture. By the second ‘movement’ I’m tingling with trepidation, but not exactly terror, because there’s a haunting druid-like beauty within these moody sound-scapes & also a strong sense of nature, all concealed, out there in the gloom, hiding within the shadowy folds of a dusky aural wilderness. There’s something darkly spiritual swirling around these pieces, underpinning the enveloping shrouds of sombre drift with a subtle air of longing & some kind of meditative peace. I like this sinister yet intoxicating brew – it really takes me someplace special because despite the eerie crackle, creaking & glitch that appears sporadically throughout, I feel like I’m in the realm of non-harmful spirits here. Doesn’t stop the palpitations though!

The NBT Review 102

macu vol2 vol3, macu vs. cezar reflections

Volume 2/Volume 3 – MaCu Reflections – MaCu vs.Cezar (Independent Releases) Outside all is dirty white mist, offering an unsettling stillness to the world. A world that seems to be waiting for a difficult soundtrack to lie upon it, lift it up, shift it from the ordinary into the serenely dangerous. I have found that soundtrack. This music captures the thoughts of ghosts drifting. The ghosts of machines throbbing, thrumming, forgetting what they are for moments in time then sighing back into sequence, the ghosts of children, girls women searching, finding, inviting. This is a waking dream, where the willing listener floats (standing upright) through the opening Wasteland. This is the imagination of the young factory worker, romanticised slowed down, manipulated. It is also the sound of a dead disco long after the night’s seduction, the souls trapped there still burning hedonistically, equal measures of despair and longing. In Hollow (which is nothing like that title, or shallow, or momentary) the ghosts become industrial whales crying through the ether. Yes this music is all about desire. It is a diary of the search for identity, the search by a fragmented soul, for that elusive whole. There can be no detachment here from the characters created, the scenes that unfold, we are part of every breath, every stutter, and every step towards another doorway into another unknown.  The song titles often contradict; play with our senses, our expectations. Nothing is obvious but almost every damn thing is rather beautiful. Even when co creating with others, the composer never loses her unique sense of the intimate making this become a halcyonian view of the disturbance just out of sight. Her music is not about words or actions, but what goes on BETWEEN those words, those actions. A startling, major musical find. HERE YOU CAN VISIT THE BLOG

MaCu – Vol. 2

Mit Jarboe im dunklen Sog! VÖ: 2010 Label: Isolationism Records Genre: Dark Ambient, Drone  Format: Download Wenn ein Cover in den letzten Jahren genau den Gehalt des Releases dahinter wiedergibt, dann der dunkle Sog, welcher “Vol.2″ der jungen österreichischen Künstlerin MaCu ziert, die einer Symbiose der Größen Swans (bzw. Jarboe) & Current93 gleicht. Seine Musik in kompletter Eigenregie zu vermarkten entwickelt sich immer mehr zum Trend, weshalb es nicht verwundert, dass MaCu ihr “Material” über den selbst gegründeten Verlag Isolationism Records publiziert, das die Protagonistin mit ihrem polnischen “Partner” Cezary Grapik (aka CEZARY) eröffnete.Unter dem schlichten nichts sagenden Titel “Vol.2″ lassen sich viele Themen ins Felde führen, aber mit verbrannter Erde, Menschen die Götter befragen & Leere rechnen Konsumenten definitiv nicht. Heißt, in diesem Punkt besteht für zukünftige Releases in meinen Augen Handlungsbedarf, um sich den übermächtigen Vorbildern(?) wie sonstigen “Großen” zu nähern. Musikalisch zelebriert Susanne Hafenscher, die Grande Madame hinter MaCu, einen mysteriösen Schmelztiegel, der die Genres (Dark) Ambient, Drone, Noise & Ritual vereint, welche besondere Akzentuierung durch ihre “magische” Stimme erfährt, deren Spektrum sehr dem von Jarboe ähnelt. Ein Großteil aller Sounds auf dieser viel zu kurzen EP “Vol.2″ gehen auf verfremdete Gitarrenlinien zurück, weshalb sich hier gerade Freunde der organischen Klänge angesprochen fühlen dürfen. Zur weiteren Verfeinerung verwendete die Musikerin eine Vielzahl von Ton- & Sprachsamples,welche den drei zu vernehmenden Tondokumenten eine gewisse “Verquastheit” verleihen, die dafür Sorge trägt, dass diese Arbeit auch nach dem x-ten Hördurchlauf die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Fazit: Individuen, die die Schwere der Swans & den “Drive” der ersten Current93 Platten schätzen, sollten sich diese äußerst kurzweilige Publikation “Vol.2″ von MaCu nicht entgehen lassen – meine absolute Empfehlung! Hörbeispiele und weitere Informationen zu MaCu findet Ihr unter folgenden Links: http://www.myspace.com/signalnoise

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